Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen

IPSA SCIENTIA POTESTAS EST

Die Helmfrisur ist ein ästhetisches Ärgernis

Jugend debattiert – die Schüler des FLG im Redewettstreit mit Besuchern von der Alten Kantonsschule in Aarau.

Die Sieger und Platzierten der Finaldebatte (v.l.n.r.): Mia Heuser (4. Platz), Lara Böhm (2. Platz), Franziska Olsen, Aarau (3. Platz), Martin Geyer (1. Platz). Herzlichen Glückwunsch!

„Soll eine Helmpflicht für Radfahrer eingeführt werden?“ Mit dieser Frage beschäftigten sich die insgesamt sieben Schweizer und fünf deutschen Schüler in ihren Vorrundendebatten. Und allesamt waren sie vorab nervös. Dabei gingen die 16- bis 18-Jährigen sehr unterschiedlich mit ihrer Anspannung um. So meinte Emma Kindermann halb im Scherz: „Ich weiß nicht, mir geht’s schlecht. Ich glaube, ich muss weinen“, was ihren Schweizer Debattengegner Ivan zu der Aussage bewegte: „Du ernährst mich mit deiner Angst.“ So wärmten sich die Kontrahenten mit scherzhaftem Geplänkel auf und waren mit dem Glockenton, der die Debatte eröffnete, hellwach.

Das gewählte Debattenformat erlaubte es jedem der vier Teilnehmer, zunächst ungestört von den anderen, seine Meinung frei vorzutragen. In der sich daran anschließenden Aussprache ging es fröhlich zwischen den Debattanten hin und her. Jeweils zwei argumentierten für die gleiche Seite. Dabei bewiesen die Schülerinnen und Schüler trotz ihres anfänglichen Understatements, dass sie für ihren Standpunkt genau recherchiert und sich auch in der Rhetorik geübt hatten. So setzte sich Dominik Schaab aus Rupperswil für die Einführung der Radhelmpflicht ein, weil trotz der bei Radunfällen häufig vorkommenden Hirnschäden nur 10 % der Radfahrer einen Helm trügen und spielte den Ball geschickt zu seiner Reutlinger Mitstreiterin Emma, die sodann ein Bußgeld für Verstöße forderte und vorschlug, mit dem eingenommenen Geld könne man ja dann das Radwegenetz ausbauen.

Gegen den Gesundheitsaspekt hatte es die Gegenseite schwer und versuchte, auch mit scherzhaften Tönen zu punkten. So verwies Marino Gall aus Lenzburg darauf, dass er sich vielleicht an einen Helm gewöhnen könne, seine Frisur aber sicher nicht: „Die Helmfrisur ist und bleibt ein ästhetisches Ärgernis.“ Darüber hinaus setzte er sich im Team mit Yvan Ortega für die Freiheit jedes Einzelnen ein. Dann müsse man halt auch für sich selbst Verantwortung übernehmen. „Sonst wird bald alles reguliert. Dann kommt als nächstes der verpflichtende Rückenpanzer. Damit siehst du aus wie eine Schildkröte. Ich will keine Schildkröte sein.“

Die Jury lobte die Debattendisziplin; man ließ sich gegenseitig ausreden und ging aufeinander ein.

An der Alten Kantonsschule, unserer neuen Partnerschule in Aarau, wird das Debattieren in einem Wahlfach geübt. Die begleitenden Schweizer Lehrer Peter Suter und Matthias Pfenninger berichteten, dass es in der Schweiz sogar einen Bildungsplan dafür gibt. Wir am List haben eine AG, wenn sich genügend Interessenten finden. Dies ist im laufenden Schuljahr nicht der Fall.

Liara Habfast, Emma Lou Köhler, Antje Lang (Reporter-AG)


Stand: 03.03.2016