Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen

IPSA SCIENTIA POTESTAS EST

Ein Lehrer des Typs Pädagogica 1.0

Mit sprühendem Witz ging die neue Eigenproduktion der FLG-Theater-AG über die Bühne

„Aber ich will Unterricht haben!“ - Klette alias Berit Ernst steht heulend im Lehrerzimmer, weil ihre Roboter-Lehrerin, Frau Müller, nicht mehr funktioniert. Spätestens jetzt ist klar, dass die Lehrerin, die ein Roboter ist, ihre Schüler merkwürdig verändert hat. Anfangs sind sie noch begeistert von den technischen Gimmicks, die der Roboter vom Typ „Pädagogica 1.0“ einführt, leiden aber schließlich unter dem hohen Leistungsdruck und der fehlenden menschlichen Zuwendung.

Die Theater-AG des Friedrich-List-Gymnasiums hat das Stück „Mein Lehrer hat 'ne Schraube locker“ über die Roboter-Lehrerin selbst entwickelt. Ein Zeitungsbericht über Roboter-Kuscheltiere, die in Altenheimen eingesetzt werden, brachte die Schüler auf das Thema. „Grundsätzlich empfanden wir es als bedrückend, wenn Roboter nicht nur praktische Aufgaben erfüllen, sondern auch Emotionen bedienen sollen“, sagt Spielleiterin Antje Lang, „doch dann sind uns immer mehr Gags reingerutscht, so dass letztlich eine Komödie entstand.“ Urkomisch die beiden Mütter Gabi und Sonja – gespielt von Hannes Nedele und Hannes Strähle – die lästernd kommentieren und sich dabei als unselige Mischung aus Eislauf- und Helikopter-Muttis outen. Auch wenn die Roboter-Lehrerin (Fabienne Langfeld) gehackt wird und vor der Klasse Vorträge über Gummibärchen hält oder auf einmal mit ihrem menschlichen Kollegen Fink flirtet, hofft man noch auf ein humorvoll-versöhnliches Ende. Doch Herr Fink hat schließlich selbst eine Schraube locker und flüchtet, mit passendem Pathos dargestellt von Richard Kipp, in die Welt der Malerei. Selbst die gewitzten Schüler Oleg (Carola Behr) und Ronja (Maria Reusch), die zwischenzeitlich noch Spaß am Hacken der Pädagogica 1.0 haben, sind am Ende gleichgeschaltet und starren in einem abschließenden Robot-Dance (choreografiert von Niklas Nowak) leeren Blickes ins Publikum. Jochen Wiedenmanns Bühnenbild, clean und kühl ganz in Weiß gehalten, hat das von Anfang an befürchten lassen.

Adrian Müller


Moritz Böbel  |  Stand: 30.07.2017