Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen

IPSA SCIENTIA POTESTAS EST

Movere. Delectare. Docere.

Das Finale des „Jugend debattiert“–Regionalverbundes Neckar-Alb

Innerlich bewegen. Unterhalten. Lehren. So rekapitulierte der römische Philosoph Cicero seine Ratschläge für Redner. Diese Worte waren es auch, die unser stellvertretender Schulleiter Friedrich Walker den acht „Jugend debattiert“ – Teilnehmern am Abend des 12.02. in seiner Begrüßungsrede nahelegte: Um 19.00 Uhr begann in der Aula das Finale des Regionalverbundes Neckar-Alb.

Die Debattanten, inmitten des Publikums aus Lehrern, Presse und seelischen Unterstützern, wechseln flüsternd noch ein paar Worte, verstummen wieder, bis eine weitere gewisperte Bemerkung ihnen ein leises Lachen entlockt. Die Aufregung ist besonders den jüngeren Teilnehmern anzumerken, als sie schließlich aufstehen und sich an den Pulten positionieren, auf die aller Augen gerichtet sind.

Der Schulverbund Neckar-Alb besteht aus dem Johannes-Kepler-Gymnasium Reutlingen, dem Karl-von-Frisch-Gymnasium Dusslingen, dem Quenstedt-Gymnasium Mössingen, dem Firstwald Gymnasium Mössingen, dem Gymnasium Hechingen, dem Gymnasium Haigerloch sowie dem FLG. Die acht Debattanten, Schulsieger aus den jeweiligen Schulwettbewerben, waren nach erfolgreicher Regionalverbundqualifikation ins Regionalverbundfinale eingezogen. „Jugend debattiert“ unterscheidet dabei nach zwei Altersgruppen: Sekundarstufe I (Klassen 8 und 9) und Sekundarstufe II (10 bis J2). Je vier Schüler einer Altersklasse führen ein Streitgespräch, zwei auf der Befürworterseite, zwei als Gegner.

Zum Verständnis einige Erläuterungen zum Debattenformat: Die Pro-Seite steht aus Publikumssicht links, rechts Contra. Die Jury bewertet nach den Kriterien Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsführung und Überzeugungskraft, wobei die Lehrer- und Schülerjuroren aus Schulen stammen, die keinen Teilnehmer unter den Debattanten haben. Zusätzlich überwacht ein Zeitnehmer mit Debattierglocke die Einhaltung der Redezeiten, die für die drei Teile einer Debatte festgelegt sind: In der Eröffnungsrunde wird die eigene Position in jeweils zwei Minuten dargelegt, worauf die freie Aussprache in einer Dauer von zwölf Minuten folgt. In der Schlussrunde resümiert jeder Debattant in einer Minute die Ergebnisse des Austausches und die Hauptargumente.

Da dieses Jahr nur eine zehnte Klasse des FLGs am Debattierwettbewerb teilnahm und die drei Schulsieger in der Regionalverbundqualifikation ausschieden, waren keine Kandidaten unserer Schule anwesend. Zudem ist bis zum nächsten Schuljahr die Rhetorik-AG ausgesetzt – aufgrund von Stundenstreichungen im sogenannten Ergänzungsbereich sollte sie zunächst gänzlich gestrichen werden, wohl wegen geringen Zuspruchs von Seiten der Schülerschaft. Die Nachricht, dass sie doch weiterhin bestehen könne, kam erst Anfang des Schuljahres, als die AG-Leiterinnen und „Jugend debattiert“ – Schulkoordinatorinnen Susanne Conzelmann und Janina Lienau ihr Stundendeputat bereits anderweitig gefüllt hatten.

Mit der Fragestellung „Soll in der Fußball-Bundesliga die Torlinientechnik eingeführt werden?“ setzten sich Nico Bosler (JKG), Ellen Schneider (Hechingen), Bleona Kelmendi (Hechingen) und Pia Hassunah (KVFG) auseinander (Sek. I). „Soll in Deutschland eine PKW-Maut eingeführt werden?“ war Thema der Erörterung zwischen Leonie Ott (Hechingen), Maximilian Roth (Haigerloch), Daniel Klaiber (Haigerloch) und Lukas Fritz (Firstwald), Sek. II. Dabei gelang es den Teilnehmern, die Zuschauer mit ihren Argumenten zum Nachdenken, mit schwäbischem Dialekt und politischen Anspielungen zum Schmunzeln zu bringen.

Die Moderation des Abends übernahm Sabine Thoma-Hass (Regionalkoordinatorin Verbund Neckar-Alb). Vor den Debatten führte sie eine Publikumsabstimmung zu den Streitfragen durch; das Resultat: eine ungefähre Zweidrittelmehrheit sprach sich für die Torlinientechnik aus, während eine starke Mehrheit die Einführung einer Maut ablehnte. Das Meinungsbild nach den Debatten wies eine Veränderung auf: Die Mehrheit stimmte gegen die Torlinientechnik und die Zahl der wenigen Maut-Fürsprecher nahm ab.

Während einer halbstündigen Pause berieten die Sek.-I- und die Sek.-II-Jury über die Rangverteilung. Schließlich erhielten die Debattanten Rückmeldung und die Platzierungen wurden bekanntgegeben. In der Sek. I: 1) Ellen Schneider, 2) Nico Bosler, 3) Bleona Kelmendi, 4) Pia Hassunah. In der Sek. II: 1) Leonie Ott, 2) Maximilian Roth, 3) Lukas Fritz, 4) Daniel Klaiber. Die beiden besten aus jeder Altersstufe erwartet nun die Landesqualifikation Baden-Württemberg, bis möglicherweise zum Landesfinale im Mai in Stuttgart.

Innerlich bewegend. Unterhaltend. Lehrreich. So lässt sich dieses Finale rekapitulieren. Oder wie Cicero sagen würde: Movens. Delectans. Docens.

Carolin Seeger, Reporter-AG


Stand: 11.05.2015